Hockey bei uns

In fast 100 Jahren Hockeysport hat die TSV Sachenhausen 1857 viele Höhen erlebt und einige Tiefen gemeistert. Zur älteren Geschichte der Hockeyabteilung gehören Deutsche Meisterschaften und Herren-Nationalspieler aus den eigenen Reihen; zur jüngeren Geschichte gehören eine nachhaltige Nachwuchsarbeit und viele Titel im Jugendbereich. Die große Konstante über die Jahrzehnte: Die Verankerung im Herzen Frankfurts und ein Mannschaftsgeist, der von Hockeygeneration zu Hockeygeneration weitergereicht wird – bis heute.

Hockey mit Herz. Unsere Geschichte.

Eines sei vorab gesagt: Das 150jährige Bestehen der Turn- und Sportvereinigung Sachsenhausen 1857 ist nicht gleichzeitig ein Jubiläum ihrer Hockeyabteilung – denn Hockey spielt man bei 1857 erst seit 1919. Von 89 Jahren Hockeysport in Sachsenhausen handelt dieser Beitrag: von deutschen Meisterschaften, von Nationalspielern, aber auch von der Auflösung der Hockeyabteilung und Ligaspielen in der untersten Spielklasse. Bei allen Höhen und Tiefen: Hockeysport hat bei der TSV Sachsenhausen Tradition. Und anno 2008 ist die Hockeyabteilung für die Zukunft bestens gewappnet.

1919 – 1924: Aller Anfang ist schwer …

Kein Hockeysport ohne Hockeyplatz. Was logisch klingt war 1919 bei weitem nicht selbstverständlich: Der Platz auf dem Sachsenhäuser Berg wurde im Frühjahr 1919 bewilligt – am Letzten Hasenpfad / Wartegäßchen. Der Gründung einer Hockeyabteilung beim (damals noch) Turnverein Sachsenhausen 1857, die zunächst unter dem Namen „Hellas“ firmierte, stand somit nichts mehr im Wege. Emil Stuckardt und Theo Winter waren die Gründungs-Abteilungsleiter des ersten Sachsenhäuser (!) Hockeyclubs. Bis Ende 1919 hatte der Verein eine Damen- und zwei Herrenmannschaften.
Es dauert nicht lange, bis eine Krise die junge Abteilung bedrohte: nach internen Differenzen mit der Fußballabteilung wechselte eine Reihe etablierter Hockeyspieler zum Konkurrenzverein FC Union. Einige Zurückgebliebene ermöglichten das Überleben des Hockeysports beim TV 1857. Glück im Unglück: die Frankfurter Hockeylandschaft „konsolidierte“ sich und Spieler anderer Vereinen wechselten zu Sachsenhausen. Da schließlich die Fußballabteilung vom Hauptverein abgespalten wurde, war die Hockeysparte des TV im Jahre 1922 mit drei Mannschaften wieder in einer soliden Ausgangslage.

1924 – 1932: Den Nachwuchs finden und fördern.

1924 feierte die Hockeyabteilung des TV Sachsenhausen 1857 ihren fünften Geburtstag und veranstaltete zu diesem Anlass ein Hockeyturnier – das erste überhaupt in Frankfurt. Das trug zum Renommee des Vereins bei und machte schon damals deutlich, was die Hockeyabteilung bis heute ist: eine Gemeinschaft, in der es neben Training und Trophäen auch um geselliges Beisammensein von Jung und Alt geht.
Der gute Ruf zahlte sich aus: Spieler des FC Union wechselten nun zu 1857 – darunter neue Kräfte und Rückkehrer von 1921. Doch längst spielten beim TV Sachsenhausen nicht mehr ausschließlich Erwachsene: Man setzte ab 1924 auf den Aufbau von Jugendmannschaften, deren Spieler die Herren verstärken sollten – ein Konzept, das der Verein bis heute pflegt. Ab 1932 verfügte die Hockeyabteilung über zwei Schüler- und zwei Jugendmannschaften.

1932 – 1945: Nationalspieler und „Breitensportler“.

Wenn eingangs von den Höhen der Hockeyabteilung die Rede war, dann fallen sie in diesen Zeitraum: die kontinuierliche Jugendarbeit zahlte sich aus, zu den Herren stießen Jahr für Jahr erfolgshungrige Talente. Unter dem Abteilungsleiter Kaut begann ab 1932 eine unvergleichliche Erfolgsserie: acht Hessenmeisterschaften, sechs Endspielteilnahmen um die Deutsche Meisterschaft und – 1939 und 1943 – sogar der Titel: Der TV Sachsenhausen 1857 war Deutscher Meister und eine Referenz im nationalen Hockeysport.

Karl Dröse bei der Olympiade 1936 in Berlin.

Aus der eigenen Jugend kam Nachschub, eine erfolgreiche Zukunft schien gesichert. Wer glaubt, der TV 1857 legte damals nur Wert auf die Besten der Besten, der irrt: Auch in dieser für den Verein erfolgreichen Zeit gab es bei 1857 keine elitäre Haltung, man fühlte sich dem Breitensport verpflichtet. Nachwuchsarbeit – und zwar für Alle! – Das ist das Motto der Jugendarbeit bis heute. Und Nachwuchs gab es um 1940 genug, zumal der Verein bald erste „Idole“ hervorbrachte: die Nationalspieler Clemens Griesinger (7 Länderspiele), Eberhard auf der Heide (1 Länderspiel), und die Silbermedaillengewinner der Olympiade 1936 Karl Dröse (13 Länderspiele), Erich Kuntz (11 Länderspiele) und Hermann auf der Heide (5 Länderspiele).

 

1945 – 1956: Erst Überleben, dann Hockey spielen.

Der Sportbetrieb wurde im Zweiten Weltkrieg erst 1944 eingestellt. Viele Spieler fielen im Krieg, andere waren in Gefangenschaft – nach Kriegsende hatte man andere Sorgen als das Freizeitvergnügen. Es dauert bis Ende 1945 ehe der Hockeysport beim TV Sachsenhausen wieder aufgenommen wurde. Aus den stark dezimierten Reihen bildete sich eine Hockeymannschaft, die bis 1949 dreimal Hessenmeister wurde. Übrigens: 1946 entstand aus dem Zusammenschluss des Turnvereins Sachsenhausen 1857 und der Turngesellschaft Sachsenhausen 1873 die Turn- und Sportvereinigung Sachsenhausen 1857.
Um die heranwachsenden Jugend nicht in harten Ligaspielen zu verschleißen, entschloss man sich 1950, die Mannschaft vorerst nicht mehr zu Meisterschaftsbegegnungen anzumelden. Damit folgte man auch einem Trend: Angesehene Hockeyclubs in Deutschland stellten den Spielbetrieb auf Freundschaftspartien um, bei denen Geselligkeit und Kameradschaft gefördert wurden. In dieser Zeit baute 1857 Verbindungen zu Clubs im In- und Ausland auf – bis sich 1955 ein Riege guter Nachwuchsspieler wieder im Wettbewerb messen wollte.

Paul Herbst und Lotti Haag heiraten am 9.05.48 in der Dreikönigskirche

1956 – 1963: Hessens Bester löst sich auf.

In diesen Zeitraum fällt die zweite Hochphase des Hockeyports bei der TSV Sachsenhausen 1857 – und ihr größter Tiefpunkt. 1956 trat die Hockeyabteilung von 1857 wieder in die Punktspielrunde ein. Mit außerordentlichem Erfolg, wie fünf Hessentitel auf dem Feld und zwei Hessentitel in der Halle bezeugen. Man erreichte das Endspiel um die deutsche Meisterschaft zwar nicht mehr, hatte aber wieder Nationalspieler in den eigenen Reihen: Klaus Lauth (9), Christian Büchting (5) und die Olympiateilnehmer von Rom 1960: Klaus Woeller (46), Utz Aichinger (59) und Christian Büchting.
Größtes Problem dieser Jahre: ein gutes Hockeyfeld zu haben, das der Qualität der Mannschaft gerecht wurde – und ein Clubhaus. Der neue Platz wurde im Gelände des Frankfurter Waldstadions gefunden, doch ein Vereinshaus gab es nicht. Dieses Manko und Unstimmigkeiten zwischen der Hockeyabteilung und dem Vorstand des Hauptvereins führten schließlich 1963 zum Austritt fast der gesamten Hockeyabteilung, die sich über die Gründung des HC Sachsenhausen dem SC Forsthausstraße anschloss – heute bekannt als SaFo.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1964 – 1982: Von ganz unten nach (fast) ganz oben.

Dem Mitbegründer der Abteilung, Theo Winter, war es zu verdanken, dass bei 1857 schon bald wieder Hockey gespielt wurde. Begünstigt durch Schwierigkeiten anderer Vereine sammelten sich ab 1964 wieder Spieler bei der TSV Sachsenhausen. Die neu gegründete Mannschaft fing in der untersten Spielklasse an. Und setzte sich durch: neue Spieler kamen zum Verein, vor allem aus Limburg, und Anfang der 70er Jahre gelang es der TSV in zwei aufeinanderfolgenden Punktspielsaisons ohne Niederlage zu bleiben, somit zweimal aufzusteigen und ab 1973 wieder in der zweithöchsten Spielklasse mitzumischen – wo man sich (mit einer Ausnahme) bis 1981 hielt.

Sport auf hohem Niveau war damals schon längst nicht mehr alles, was die Hockeyabteilung ausmachte: die jährliche Teilnahme an Pfingstturnieren und der Nikolausabend für alle – jung wie alt, Spieler, Verwandte und Freunde – sorgten für weiteren Zusammenhalt. Seit 1966 hatten sich unter den Abteilungsleitern Geistert, Leo, Straub und Lampert zahlenmäßig und spielerisch starke Jugendmannschaften entwickelt, die große Erfolge feierten – drei hessische Jugendmeisterschaften (1969, 1970, 1974) – und drei Jugendnationalspieler hervorbrachten: die Gebrüder Bordasch und Norbert Weinhold.

1983 – 2006: Spaß am Sport, am Nachwuchs, am Vereinsleben.

Die Hockeyabteilung der TSV 1857 ist in ihren Prinzipien treu geblieben: Zum einen spielen die 1. Herren nach wie vor ambitioniert Hockey, auch wenn die großen Erfolge ausgeblieben sind. In der Oberliga mischten sie bis zur Feldsaison 2001 vorne mit: Ein freiwilliger Rückzug beförderte sie wieder in die unterste Spielklasse – einmal mehr hatten zu viele Spieler den Verein verlassen, der Spielbetrieb schien nicht gesichert. Heute spielen die 1. Herren aber wieder in der 1. Verbandsliga, sind dort etabliert, und haben den Aufstieg in die Oberliga fest im Blick.
Erfreulich: Der Bestand aktiver Mitglieder ist seit Jahren stabil und schwankt zwischen 125 und 140 – wovon knapp die Hälfte unter 18 Jahren ist. Denn Nachwuchsarbeit wird bei der TSV nach wie vor groß geschrieben. Es ist einer Reihe vorbildlicher und engagierter Jugendtrainer zu verdanken, dass die Knaben- und Jugendspieler von 1857 in Hessen wieder „wer sind“: Sie haben sich wiederholt im Feld- und Hallenhockey als hessische Pokal- und Vizepokalsieger hervorgetan. Einige von ihnen werden schon bald die 1- Herrenmannschaft ergänzen und dort für einen Qualitätsschub sorgen.

Last but not least: Die Geselligkeit kommt nie zu kurz. 1857 hat eine gern gesehene Turniermannschaft – ob an Pfingsten oder beim Neujahrsturnier in München, wo man bereits zehnmal zu Gast war. Zu der traditionellen Nikolausfeier mit Musik- und Theaterprogramm der Knaben- und Jugendspieler ist ein weiteres Fest gekommen: Seit nunmehr 6 Jahren veranstaltet die Hockeyabteilung ein Sommersportfest auf „ihrem“ Platz an der Babenhäuser Landstraße. Ebenso wird der Kultur mit regelmäßigen Theaterbesuchen gefröhnt und das Sachsenhäuser Lied- und Kulturgut gepflegt.
Unter den wechselnden Abteilungsleitern seit 1982 – Lampert, Böhm, Lenz, Engelbach, Lamp und Leo – hat vor allem letzterer die Hockeyabteilung zehn Jahre lang geprägt. Bei seinem freiwilligen Rückzug 2005 überließ Günter Leo eine finanziell gesunde, mitgliederstarke und spielerisch ambitionierte Abteilung. Es liegt nun an seinen Nachfolgern, die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft des Hockeysports bei der TSV 1857 zu stellen.